Tour Transalp 2024, 6. Etappe Lavarone – Kaltern

VonMarco

Tour Transalp 2024, 6. Etappe Lavarone – Kaltern

Freitag, vorletzte Etappe:

Direkter Kaltstart, vom Start weg ging es heute gleich bergauf. Erstmal nur 2 km, dann wieder 2,5 km bergab, dann wieder 11 km unrythmisch hinauf, ehe es die sehr, sehr winklig-enge-steile Abfahrt des Kaiserjägerwegs hinunter ging.

Julia zunächst bergauf/bergab vorweg, ab der Hälfte der Abfahrt war ich wieder dran.

Unten noch ein paar Kilometer über Wirtschaftswege nach Levico Terme, auf denen wir schon einige Fahrer aufsammelten und auf rund 10 Kilometern „false flat“ (zwischen 1-3% steigend, das geht noch gut auf dem 50er Blatt) wuchs die Gruppe ordentlich an, während ich vorn die Pace machte. Tut dann auch mal gut dafür an der Verpflegung ein paar Dankeschön und Schulterklopfer dafür zu bekommen und auch bestätigt zu bekommen, dass wir als Mixed-Team ganz hervorragend harmonieren.

Der 15 km lange Anstieg des Passo Redebus war dann schön gleichmäßig und nachdem Urs und Julia zunächst ordentlich losgestiefelt waren, robbte ich mich peu a peu wieder heran, im Gedanken ein Lied summend „Up I follow, I follow you, high mountain, baby, I follow you…“

Die Abfahrt dann im Formationsflug.

Über Brusago folgte die nächste false flat auf der ich vorn die Lokomotive spielte, etwa ab Sover wuchs die Gruppe wieder, so dass ich auch mal wieder in den Windschatten wechseln konnte.

Auf der Steigung Richtung Cembra zerfledderte die Gruppe wieder, so dass ich dann bis zum Anstieg der zweiten Verpflegung erneut die Führungsarbeit machte.

In der Abfahrt runter nach San Michele dann Stillstand: Kurz vor uns hatten sich (in einer eigentlich unspektakulären Kurve) 3 Fahrer zerlegt, von den 2 mit RTW und einer mit dem Hubschrauber abgeholt wurden.

Das hieß dann 20 Minuten Wartezeit, die uns lt. Reglement auch nicht vergütet werden.

Aber so sammelte sich dort eine größere Gruppe, was ich für die anstehenden gut 35 Flach-Kilometer im Etschtal für günstig befand. Durch die winklige Straßenführung beim Übergang Abfahrt-Flachland zerfiel die Gruppe aber in mehrere Teile und wir verpassten den Abgang des flotteren Teils (Urs nicht, der war vorn dabei), also abermals: Vorspannen und Tempo machen.

Nach einigen Kilometern kam eine schnellere Truppe von hinten, an die wir uns anhingen. Zunächst lief das fantastisch mit ~40 km/h, aber später folgten etliche enge Kreisverkehre durch die der Führungsfahrer weiterhin unbeeindruckt durchballerte. Mit Zieharmonika-Effekt hieß das weiter hinten immer wieder antreten und Lücken schließen, was Julia irgendwann zum Verhängnis wurde und wir reißen lassen mussten.

Aber ganz aufgeben wollte ich nicht: Wir fuhren selbst auch in hohem Tempo weiter und vorn lief der Express zunächst auf Fahrzeuge und dann auf eine weniger schnelle Gruppe auf, wodurch sich deren Tempo reduzierte und ich unser kleines Grüppchen wieder heranführen konnte  – allerdings um den Preis,  dass ich nun völlig „auf“ war.

Rechtzeitig vor dem Schlussanstieg noch schnell ein Gel reingedrückt.

Die letzten 7 km wurden dann noch einmal richtig eklig: Bis Kaltern-Dorf ging es noch halbwegs, aber die letzte Rampe im Kaltern-St. Anton hielt nach dem warm-up mit 12 und 13 % auch noch eine 18,5 % Breitseite parat.

Danach schaffte ich es nicht einmal mehr,  den Daumen für das Zielfoto zu heben…

 

Dittmar wurde „nur“ Tages-Fünfter, fiel damit aber um einen Rang und ist nun Gesamt-Vierter mit 3 1/2  Minuten Rückstand auf das Gesamtpodium.

Urs wurde 16. des Tages und fielauf Platz 18 der Gesamtwertung  – ohne die vermaledeite Wartezeit von >20 Minuten wäre er jetzt auf Platz 13!

Julia und ich wurden Tages-13. und sind in der Gesamtwertung auch nur noch 13. mit 11 Minuten Rückstand auf Platz 12.

 

 

Etappe 6: Lavarone – Kaltern

Von den Almen in die Weinreben: Der sechste Tag ist ein weiterer Tag voller Abwechslung, der es sportlich in sich hat. Höhenmeter und Kilometer sind nicht von schlechten Eltern und die Abfahrten erfordern eine gute Beherrschung des Lenkers.

Auch der sechste Tag überrascht ein weiteres Mal mit wilden Szenewechseln. Hier das Land der Almbauern, dort das Land der Apfel- und Weinbauern. Und auch zwischendrin bietet diese Route eine Menge Abwechslung gespickt mit sportlichem Anspruch. Die ersten 20 Kilometer gehören noch der Alpe Cimbra, wenn die Strecke von Lavarone eine Schleife über Luserna und den Passo Vezzena macht, bevor die Abfahrt ins Valsugana beginnen kann. Der Kaiserjägerweg, eine waghalsig in den Fels gebaute Straße, ist wohl die anspruchsvollste Abfahrt der 2024er Transalp, weil sie schmal und mit kleinen Kurvenradien volle Konzentration erfordert. Unten im Tal ruhen der Lago di Caldonazzo und der Lago di Levico. Das ist ein Postkartenmotiv, doch wer es in vollen Zügen genießen will, sollte hier besser kurz anhalten. In Levivo Terme ist das Valsugana bereits durchquert und hinter dem kleinen See führt die Straße nun weiter nach Pergine.

Nun wartet der Passo del Redebus 950 Meter weiter oben, ein kleiner, versteckter Pass, der den Übergang ins Val di Cembra weiter im Norden bildet. Bis dessen Talsohle erreicht ist, sind aber vom Pass 28 Kilometer zu bewältigen. Das ist keine Abfahrt in einem Stück, sondern in Stufen mit längeren Flachpassagen zwischendrin. Der Fluss Avisio fließt jetzt aus dem Val di Cembra direkt in die Etsch. Die Transalp-Strecke tut es sich aber mit dem Weg ins Etschtal nicht so leicht und nimmt noch die Schulter zwischen beiden Tälern über die Gemeinde Giovo mit. In San Michele ist die Etsch schließlich erreicht und entgegen ihrem Lauf ist das nächste Ziel der Kalterer See, der nach flachen 28 Kilometern im Norden wartet. Das ist ein grundsätzlich einfacher Abschnitt, den letztlich nur der Wind erschweren kann, wenn er blöderweise von Norden nach Süden weht. Geschafft ist die Etappe am Kalterer See leider noch nicht, denn erst nach einem 300-Höhenmeter-Schlussanstieg steht der Zielbogen im Sportzentrum St. Anton in Kaltern.


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Marco editor